Dienstag, 14. März 2006

98 Jahre alt und 75 Jahre Priester Jesu Christi

So Gott will, feiert der Heiligenkreuzer Zisterzienser P. Cornelius Steffek am 19. Juli ein äußerst seltenes Fest: Er ist dann seit 75 Jahren Priester. Am 19. Juli 1931 weihte Kardinal Gustav Piffl den Zisterzienser P. Cornelius Viktor Steffek OCist zum Priester. Als der 23jährige aus dem Stift Heiligenkreuz vor dem Wiener Erzbischof sein ”Adsum“ (”Ich bin bereit“) sprach, regierte in Österreich Bundeskanzler Karl Buresch, das Amt des Landwirtschaftsministers übte Engelbert Dollfuß aus. Der Wiener Erzbischof hieß Kardinal Gustav Piffl. Im Mai 1931 hatte Papst Pius XI. die Enzyklika ”Quadragesimo anno“ veröffentlicht. Siebeneinhalb Jahrzehnte später sprach die Wiener Kirchenzeitung ”Sonntag“ mit dem bald 98jährigen Zisterzienser über die Gnade, ”als Priester seit 75 Jahren Gott und den Menschen dienen zu dürfen“. Ein Jubiläum, für das noch keine Bezeichnung erfunden ist. ”Ich wurde am 19. Mai 1908 in Niepolomice in Galizien geboren“, erzählt P. Cornelius, ”nicht weit entfernt von Wadowice, der Heimat von Papst Johannes Paul II.“. Niepolomice war Karol Wojtylas erste Kaplanstelle. ”Mein Vater war beim Ulanen-Regiment, er war evangelisch, sagte aber meiner Mutter zu, dass die Kinder katholisch erzogen werden.“ 1925 lernte der junge Steffek mit anderen Studenten das Stift Heiligenkreuz kennen, 1926 ist er eingetreten. Sein Vater konvertierte später zum katholischen Glauben, als junger Priester konnte ihm P. Cornelius ”die erste hl. Kommunion reichen“. Gerührt erzählt der 98jährige von seinem Vater: ”Er brachte mir durch sein Wesen Gott als Vater näher: Er war streng und gütig zugleich...“ Nach Kaplansjahren in St. Valentin bei Gloggnitz, Heiligenkreuz und im Wiener Neustädter Neukloster wurde er 1939 bis 1952 Pfarrer in Gaaden. 1952 bis 1957 wirkte er in Trumau, dann weitere 24 Jahre in Alland als Pfarrer. 1981 kehrte er ins Stift zurück. Die dramatischsten Augenblicke seines Lebens betreffen die Jahre 1944 und 1945. Am 17. Februar 1944 wurden P. Cornelius Steffek, Johann Ruggenthaler und P. Joseph Zeininger verhaftet. ”Steffek, Ruggenthaler und Zeininger waren bereits wiederholt staatspolitisch in Erscheinung getreten“, heißt die lapidare Begründung. ”Die eine Erscheinung war die“, lacht P. Steffek im Rückblick, ”dass ich den 30 Burschen in Wiener Neustadt eine Bibelstunde gehalten habe...“ Vom 17. Februar 1944 bis Herbst 1944 saß der Ordensmann aus Heiligenkreuz im Polizeigefängnis, anschließend bis zum 6. April 1945 im Landesgericht Wien als politischer Gefangener. ”Bevor die Russen kamen, sind wir freigelassen worden“, schildert P. Cornelius mit Tränen in den Augen: ”Ich ging zu Fuss zurück in die Pfarre, halb verhungert, aber voll Freude, in die Heimat zurückkommen zu können...“ - Link: www.stift-heiligenkreuz.at